Geburtstag ohne Dich

Mein liebes kleines großes Mädchen, ein Jahr wärst Du nun schon alt. Während Du mit Deinen Himmelsfreunden bestimmt ein großes, lustiges Fest gefeiert hast, haben wir hier unten Deinen Garten besucht und bei Kaffee und Geburtstagskuchen zusammengesessen.

Doch wie viel schöner wäre das alles gewesen, wenn Du auch hättest dabei sein können …
Wir vermissen Dich so, Madita.

Heute vor einem Jahr

Vor einem Jahr

Vor einem Jahr um diese Zeit hatte ich beim Yoga die ersten leichten Wehen. Danach bin ich noch mit dem Rad heim gefahren, wir haben die Reste vom Vortag aufgewärmt und zu Abend gegessen. Währenddessen musste ich schon ein paar Mal aufstehen und bewusster atmen.

Um Mitternacht war die Hebamme das erste Mal bei uns. Es ging langsam los … wir verabredeten, dass wir uns beim nächsten Anruf im Geburtshaus träfen.

Uns wurde bewusst, dass dies wohl für lange Zeit unser letzter Abend zu zweit sein sollte. Dass wir in einem Jahr die Abende noch immer zu zweit verbringen würden …

Nachts um drei sind wir ins Geburtshaus gefahren.

Vor einem Jahr war unsere Welt noch in Ordnung. Wir konnten noch glauben, dass alles gut wird …

Das Fell wird dünner und leerer der Becher,
Der Zaubertrank wirkt nur noch schwer.
Der Kummer ist tiefer, der Trost scheint schwächer,
Und es heilt nicht alles mehr.
Wo ist meine Sorglosigkeit geblieben,
Was machte Erkenntnis daraus?
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben
Und ich wünschte, ich käme nach Haus!
Nur einen Augenblick noch mal das Bündel ablegen
Und mit argslosem Übermut,
Durch dunkle Wege, der Zuflucht entgegen
Und glauben können: Alles wird gut!
Manchmal wünscht‘ ich, die Dinge wär‘n so einfach geblieben
Und die Wege gingen nur gradeaus,
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben
Und ich wünschte, ich käme nach Haus!

Viertel vor sieben – Reinhard Mey