Heute vor einem Jahr

Liebe Madita,
heute vor genau einem Jahr haben wir erfahren, dass Du da bist. Als kleiner rosa Streifen hast Du Dich uns gezeigt … uns kam es so unvorstellbar vor, in einem Jahr dann ein kleines, munteres Baby zu haben. An dem Tag habe ich eine Klausur geschrieben. Ich ging in die Uni, angefüllt von so viel Freude. Die Klausur war mir total egal – was kann einem sowas schon anhaben, wenn man ein kleines Menschlein dabei hat? Den ganzen Tag und auch lange Zeit danach habe ich immer nur gedacht: nothing can ever hurt me now … und dann wurde alles anders.

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Was mein Leben reicher macht …

Eine Erinnerung, die mir gestern kurz vor dem Einschlafen wieder in den Kopf kam. Sie muss die ganze Zeit da gewesen sein, aber ich habe sie nicht bemerkt.

 

Als Madita nicht mehr lebte, waren wir mit ihr noch viele Stunden in einem Zimmer auf der Kinderstation. Irgendwann kam unser Arzt. Wir sprachen über Madita, über ihren Herzfehler und auch über andere Dinge. Verblieben mit den Worten: „Hoffentlich sehen wir uns hier nie wieder.“ Zum Abschied reichte er jedem von uns die Hand, dann entstand eine kurze Pause – und er beugte sich zu Madita hinunter, die auf meinem Arm lag, strich ihr über die Wange und sagte: „Tschüss, Madita!“

 

 

[In Anlehung an die Rubrik in der Wochenzeitung DIE ZEIT: http://blog.zeit.de/zeit-der-leser/category/was-mein-leben-reicher-macht/]

Heute vor zwei Monaten

Meine liebe kleine Rosinenschnecke …

Nun ist es schon zwei Monate her, dass Du keine Kraft mehr hattest und zu Deinen Urgroßeltern vorausgegangen bist. Zwei Monate, in denen wir Dich jeden Tag so unendlich dolle vermisst haben. In denen es uns schwer fiel, an das Gute in dieser Welt zu glauben.

Heute vor zwei Monaten saßen wir an Deinem Bettchen, zwischen unzähligen Perfusoren. Dein Monitor zeigte uns ein EKG jenseits von Gut und Böse.
Heute vor zwei Monaten waren wir betäubt von der Nachricht des Vortages: „Wenn sich die Herzfunktion jetzt nicht verbessert, können wir nichts mehr tun.“
Heute vor zwei Monaten wussten wir, dass Du sterben wirst, aber wir hofften, dass sich alles als ein Irrtum herausstellen würde.
Heute vor zwei Monaten haben wir gemeinsam mit dem Oberarzt besprochen, dass wir nun jeden Tag schauen und dann entscheiden, wann wir die Geräte abschalten.
Heute vor zwei Monaten hat Dein Papa Deine Hand gehalten, während Tränen über seine Wangen flossen.
Heute vor zwei Monaten habe ich meinen Kopf ganz vorsichtig auf Deine Brust gelegt und geweint.

Und dann mussten wir gar keine Entscheidung mehr treffen. Denn du hast selbst entschieden. Hast Deine allerletzten, kleinen Kraftreserven versammelt, um noch einmal auf meinen Arm zu dürfen. Ich weiß, dass Du auf uns gewartet hast – auch wenn Du dafür Hilfe brauchtest, denn der Oberarzt musste Dich schon zweimal reanimieren. Als wir kamen warst Du schon gar nicht mehr ganz da. Sicher stand Jesus schon an Deinem Bett und hat gewartet, bis Du Dich verabschiedet hast. Weil Du ihn nicht zum ersten Mal sahest, hattest Du auch gar keine Angst.
Und diesmal bist Du mitgegangen, hast Dich befreit von Deiner Hülle, die Du nicht mehr warst und die Du nicht mehr brauchtest …

Madita, Du fehlst uns.

Neues aus dem Garten

Dienstag haben wir ein wenig umgestaltet … Madita hat nun zwei Steine aus dem Garten meiner Großeltern, die leider ihr Haus verlassen mussten. Aus ihrem Fundus kommen auch die Madonna und der kleine weiße Engel. Eigentlich mag ich sowas nicht auf Gräbern, aber als wir die Dinge dort im Haus fanden, war unser erster Gedanke: das bringen wir Madita mit. Und da ein persönlicher Bezug besteht, stehen sie nun dort.